„Wir jammern nicht – wir machen!“

Die Idee zur Initiative für Gute Arbeit

Seit Jahren schon angekündigt, ist der Fachkräftemangel heute der wichtigste Begrenzungsfaktor für Unternehmen im Garten- und Landschaftsbau. Die neue Situation fordert eine Veränderung des Blickwinkels: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden zur wertvollen Ressource, zugleich sind attraktive Unternehmen besonders begehrt. Der richtige Zeitpunkt für die „Initiative für Gute Arbeit“ (IFGA), die künftig „Top-Arbeitgeber“ mit einem Siegel sichtbar machen will.

Warum soll der Mangel jetzt plötzlich eine Chance sein? Wünschen wir uns als Arbeitgeber nicht die Zeit zurück, als sich auf jede Zeitungsanzeige eine Handvoll guter Interessenten gemeldet haben? Heute erscheint es schon schwierig, die Zielgruppe überhaupt zu erreichen, obwohl uns das digitale Zeitalter mit Website, Facebook und Jobbörsen im Internet wesentlich mehr Möglichkeiten an die Hand gibt. Die Pinnwände an den Berufsschulen, Meisterschulen und Hochschulen quellen über vor Jobangeboten, die Firmen händeringend einreichen, und mancher Lehrer oder Professor bekommt auch schon mal einen direkten Anruf mit der Bitte um schnelle Hilfe. Da ist Druck im Kessel. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt die große Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten rund um Gärten und Grün, der Urlaub im eigenen Gartenparadies und der Wunsch danach, mehr Grün in die Städte und Wohnumgebungen zu bekommen. Die Branche wächst und benötigt damit ständig mehr Personal, und zwar gut ausgebildete Fachkräfte.

„Houston, wir haben ein Problem!“

Wolfgang Kawollek, Sachbuchautor und Ausbildungsexperte, führte 2016 im Auftrag des Vereins zur Förderung der Land- und Forstarbeiter e. V. eine Untersuchung über die Entwicklung der Meisterprüfungen in der Agrarwirtschaft durch. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob der Bedarf an Fach- und Führungskräften in der Branche in Zukunft gedeckt werden kann. Die Antwort war klar, wenn auch wenig überraschend: NEIN. Kawollek hat jedoch zwei Strategien parat, die diesem Mangel entgegenwirken können. Zum einen eine attraktive Nachwuchswerbung, wie sie der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau seit vielen Jahren vorantreibt und vor Kurzem erst durch neue Fotomotive aktualisiert hat. Zum anderen schreibt Kawollek in seiner Studie den Arbeitgebern einen markanten und zugleich zukunftsweisenden Satz ins Stammbuch: „Fach- und Führungskräfte sind ein knappes Gut, die Wettbewerbssituation mit anderen Berufen wird sich noch verschärfen. Deshalb sind die Unternehmen und ihre Verbände im Kampf um Nachwuchs und Talente gefordert, sich als wirklich gute Arbeitgeber zu profilieren. Hier kann das Konzept „Gute Arbeit“ der Schlüssel zur nachhaltigen Sicherung des Fach- und Führungskräftebedarfes sein.“ Ja, wir haben ein Problem, aber die Lösung liegt auf der Hand: Wirklich attraktive Arbeitgeber zu sein, das ist die Herausforderung, vor der wir als Unternehmerinnen und Unternehmer heute stehen.

Vom Problem zur Lösung

Wie entstand die Idee zur „Initiative für Gute Arbeit“? Wenn das Problem und die Lösung gleichzeitig in den Blick kommen, dann findet sich auch der Weg dazwischen. Ein Kommentar von Prof. Martin Thieme-Hack in der Neuen Landschaft vom November 2016 beschrieb die Aufgabenstellung sehr anschaulich: „Bei keinem Thema drückt im Moment der Schuh so sehr wie bei der Frage nach neuen Mitarbeitern. Bei uns an der Hochschule kommen die Stellenangebote fast täglich, meist verbunden mit einem Anruf und der Bitte, ob der Professor nicht positiv Einfluss nehmen kann, damit sich überhaupt jemand bewirbt.“ Die Lösung hat Wolfgang Kawollek mit seiner Anregung serviert, „wirklich attraktive Arbeitgeber“ zu sein. Der Weg dazwischen, den weisen uns die sieben Jahre Erfahrung mit der Initiative für Ausbildung: ein klares Konzept mit 12 Kriterien, die beschreiben, was zu einer guten Ausbildung gehört, verbunden mit einem stringenten Marketingkonzept, einer ansprechenden Website und dem Siegel „Top-Ausbildungsbetrieb“. Nicht zuletzt ist der persönliche Austausch bei Ausbilderworkshops und Unternehmenstagen, die die eigene Ausbildungspraxis in den Unternehmen nachhaltig voranbringen, sehr wichtig. Was in der Ausbildung für mehr als 100 Betriebe seit Jahren erfolgreich funktioniert, kann nun mit erweiterten Inhalten und angepasstem Konzept auch bei der Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung der Weg zur Lösung sein.

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